Aupair in den USA

Das Au Pair Leben/ Amerikanische Erziehung

Amerikanische Erziehung

Ihre Kinder sind den Amerikanern sehr wichtig, dementsprechend ist das gesellschaftliche Leben viel mehr auf Kinder ausgerichtet als in Deutschland. In Fitnessstudios u. ä. ist ein Kinderbetreuungsangebot selbstverständlich, in Restaurants gibt es nicht nur Kindermenüs, sondern auch ein Mal-Set zur Unterhaltung; der Urlaub wird auf die Kinder ausgerichtet, ebenso richtet sich die Freizeit und insbesondere die Wochenendgestaltung oft viel mehr nach den Kindern, als wir es aus Deutschland gewohnt sind. Die Amerikaner sind sehr kinderlieb, Kinder werden viel weniger als Störenfriede aufgefasst als in Deutschland. So interessiert es auch kaum jemanden, wenn die Kinder im Kaufhaus schreiend durch die Gänge rennen oder im Supermarkt das Regal ausräumen.

Viele Au Pairs müssen sich erst einmal daran gewöhnen, dass den Kindern so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ihre schulischen und sportlichen Leistungen sind oft Hauptgesprächsthema beim Abendessen oder beim Plausch mit Nachbarn und Freunden. Natürlich spiegelt sich die starke Orientierung am Leben der Kinder in der Erziehung der Amerikaner wieder:

Sicherheit:

Die Sicherheit ihrer Kinder hat für die Amerikaner oberste Priorität. Die Angst vor Kindesentführung ist groß, was sich zum Beispiel in den Sicherheitsmaßnahmen der Schulen widerspiegelt: Nach der Schule werden die Kinder von den Lehrern weiter beaufsichtigt, bis alle sicher in den Bus eingestiegen sind. Nur die Eltern selbst können ihre Kinder einfach so abholen, andere Personen müssen durch die Eltern dazu befugt werden, indem sie entweder auf einer Liste der Schule vermerkt sind oder indem dem Kind eine Notiz der Eltern mitgegeben wird, auf der zu lesen ist, von wem es später abgeholt wird. Wenn die Kinder mit dem Bus nach Hause fahren, hält er oft entweder direkt vor der Haustür, oder jemand holt die Kinder von der Bushaltestelle ab, auch wenn sie vielleicht nur 100m entfernt ist.
Des Weiteren bekommen viele Au Pairs Anweisungen, dass sie die Kinder niemals unbeaufsichtigt lassen dürfen. Kinder dürfen nicht im Auto gelassen werden, auch dann nicht, wenn man nur einmal kurz das Tanken bezahlen geht. Ebenso dürfen amerikanische Kinder oft nicht alleine auf Spielplätze, in Parks oder zu Freunden gehen. (Natürlich liegt das auch an den oft weiten Strecken und dem Mangel an Geh- und Fahrradwegen.) Viele Eltern legen auch wert darauf, dass ihre Kinder nicht ohne Aufsicht draußen spielen, auch um zu vermeiden, dass sie sich bei irgendwelchen Dummheiten verletzen.

Auch die Angst vor Kindesmissbrauch sitzt bei vielen Amerikanern sehr tief. So ist ein Fotolaborant gesetzlich dazu verpflichtet, die Polizei zu verständigen, wenn er Fotos von unbekleideten Kindern entwickelt hat.
Außerdem sollte man Kinder in der Öffentlichkeit nicht anschreien oder etwas ruppig anfassen, weil es durchaus sein kann, dass man von Amerikanern darauf angesprochen oder sogar angezeigt wird.

Förderung:

Die Amerikaner sind sehr stolz auf ihre Kinder und legen daher sehr viel Wert darauf, dass ihre Kinder viel lernen. So dient der Kindergarten im Amerika weniger dem Zeitvertreib, als dem spielenden Erlernen der schulischen Grundlagen wie Lesen, erste Buchstaben schreiben und Zählen. In der elementary school (=Grundschule) gibt es viele Zusatzkurse, die die Kinder belegen können, wie zum Beispiel Deutsch oder Spanisch. Gute Schulleistungen sind amerikanischen Eltern sehr wichtig, sie sind oft Gesprächsthema und werden übermäßig gelobt.
Kinder, die in einem bestimmten Fach oder in ihrer Entwicklung etwas hinter ihren Altersgenossen zurückhängen, werden durch speziellen Unterricht entsprechend gefördert und bleiben so nicht so leicht auf der Strecke wie viele deutsche Kinder.

Auch außerhalb der Schule werden amerikanische Kinder gefördert wo immer es geht: An oberster Stelle steht in der Freizeitgestaltung der Kinder der Sport. So gut wie jedes Kind erlernt wenigstens eine Sportart, die Wochenenden verbringen die Familien oft bei den zahlreichen Wettkämpfen ihrer Kinder. Viele Kinder lernen zusätzlich auch noch ein Instrument, gehen zum Religionsunterricht oder ähnlichem. Auch die Spielsachen und Computerspiele haben oft eine lehrende Funktion und unterstützen somit die Förderung der Kinder.

Selbstständigkeit:

Manche Eltern übertreiben die Förderung der Kinder ein wenig, indem sie ihnen auch im Alltag viele Dinge abnehmen oder ihnen helfen wollen. Dadurch wird die normale Entwicklung der Selbstständigkeit jedoch häufig stark gehemmt, so dass die Kinder in normalen Alltagssituationen ganz banale Dinge nicht ohne Hilfe handhaben können, sei es nur das Eingießen eines Getränkes oder das Binden der Schnürsenkel.

Amerikanischen Kindern fehlt es häufig an Ideen, wenn es darum geht, sich selbst zu beschäftigen. Oft fällt ihnen dann nur der Fernseher oder der Computer als Beschäftigung ein.
Viele Au Pairs schütteln darüber den Kopf und beschweren sich, weil sie es aus Deutschland anders gewöhnt sind. Dabei bedenken sie häufig nicht, dass die durchaus positive intensive Förderung der Kinder eben ihre Folgen hat. Wer von klein auf den ganzen Tag auf Trab gehalten wird, hat eben nie gelernt, sich in ruhigen Momenten selbst eine Beschäftigung zu suchen. Außerdem haben amerikanische Kinder durch die Sicherheitsmaßnahmen der Eltern viel weniger Spielmöglichkeiten als deutsche Kinder.

Loben und Strafen:

Wie auch in Deutschland variiert das System von Loben und Strafen von Familie zu Familie natürlich stark, generell legen Familien aber auf beide Aspekte viel Wert. Während man in Deutschland über viele Dinge hinwegsieht oder nur ein mahnendes Wort an die Kinder richtet, bestraft man sie in Amerika schnell mit sogenannten "time-outs" oder Zimmerarrest.
Genauso werden gute Leistungen wie das erfolgreiche erste Schuhe zu binden übermäßig gelobt. So soll den Kindern der Unterschied zwischen gut und böse sehr eindeutig vermittelt werden, was viele Au Pairs häufig nur schwer nachvollziehen können.

Natürlich spielt die Erziehung in der Arbeit eines Au Pairs eine sehr große Rolle. Die Eltern erwarten, auch zu Recht, dass man ihre Kinder nach ihren eigenen Ansichten erzieht. In der Praxis erweist sich das jedoch häufig als schwierig, weil die Au Pairs einfach eine ganz andere Art der Erziehung gewöhnt sind. Hier gibt es häufig Konflikte zwischen den Eltern und dem Au Pair. Um diese zu klären und möglichst zu vermeiden, müssen Eltern und Au Pair eng zusammenarbeiten. Es ist sehr wichtig, dass alle Einzelheiten klar abgesprochen werden. Die Eltern müssen ihren Kindern vermitteln, dass das Au Pair eine Autoritätsperson ist und darauf achten, dass sie diese Autorität in keiner Weise untergraben, indem sie zum Beispiel dem Wort ihres Kindes mehr Glauben schenken als dem des Au Pairs. Den Eltern sollte klar sein, dass Kinder häufig die Tatsachen zu ihren Gunsten verdrehen Auch eine konsequente Erziehung ist sehr wichtig: Wenn sich die Eltern nicht an ihre eigenen Regeln halten ( zum Beispiel wenn das Kind eigentlich nur eine Stunde am Tag Fernsehen darf, aber bei den Eltern dann plötzlich doch zwei), gibt es Probleme zwischen dem Au Pair und den Kindern und dann natürlich auch mit den Eltern. Im Gegenzug muss sich aber auch das Au Pair genau an die Regeln der Eltern halten. Zu dem Job eines Au Pairs gehört Flexibilität. Wenn die Gastmutter länger arbeitet, muss das Au Pair auch ein wenig länger arbeiten. Und wenn die Familie den Kindern einen Hamster schenkt, gehört nun eben zu den neuen Aufgaben, mit den Kindern den Käfig zu reinigen. Eine Familie verändert sich und ihr Leben nun einmal ständig, darauf muss ein Au Pair vorbereitet sein.
Generell lassen sich alle Konflikte lösen, wenn Eltern und Au Pair dazu bereit sind, aufeinander einzugehen und immer wieder über alle Probleme zu reden.


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