Aupair in den USA

Das Au Pair Leben/ Kulturschock

Der Kulturschock

Der Begriff "Kulturschock" wurde von dem amerikanischen Anthropologen Kalvero Oberg geprägt und bezeichnet die Schwierigkeiten beim Zusammentreffen einer fremden Kultur mit der eigenen kulturellen Prägung, sowie den Anpassungsvorgang nach der Übersiedlung in einen anderen Kulturkreis. Diesen unterteilt Oberg in fünf Phasen:

  1. Euphorie: Bei der Ankunft in dem fremden Land ist alles neu und aufregend, man ist damit beschäftigt, Land und Leute zu entdecken und zu erforschen. Dabei stehen eher die positiven Seiten der unbekannten Kultur im Vordergrund. Der allgemeine Optimismus kann sich bis zur Euphorie steigern, weder die eigene noch die fremde Kultur werden in Frage gestellt.
  2. Entfremdung: Man beginnt, auch unangenehme Seiten am neuen Leben festzustellen und viele kulturelle Eigenheiten des Landes als störend zu empfinden. Die eigene Gemütslage verschlechtert sich und die Zufriedenheit nimmt ab.
  3. Eskalation (=Kulturschock): Das persönliche Tief hat den Höhepunkt erreicht. Die eigene Kultur wird verherrlicht, während man die fremde Kultur für jegliche Probleme und Unannehmlichkeiten verantworlich macht.
    Mögliche Symptome sind folgende:
    • exzessive Sorge um die eigene Gesundheit aufgrund von Nervösität und Reizbarkeit oder Müdigkeit und Langweile, Ess- oder Schlafstörungen, Schwermut, psychosomatischen Erscheinungen wie Kopfweh oder Verdauungsstörungen.
    • Gefühle von Hilflosigkeit und Ablehnung, weil man sich von Mitgliedern der fremden Kultur abgelehnt fühlt oder diese selbst ablehnt
    • Angst, betrogen oder verletzt zu werden
    • Heimweh
    • Verwirrung über die eigene Rolle, über die Rollenerwartungen anderer, über Werte, über die eigenen Gefühle und die eigene Identität
    • Ängstlichkeit und Frustrationen
    • Gefühl von Einsamkeit
    • Überraschung, Angst und Empörung, nachdem man sich des vollen Ausmaßes der kulturellen Unterschiede bewusst wird
    • defensive Kommunikation
    • Ohnmachtsgefühl, weil man meint, mit der neuen Umgebung und Situation nicht zurechtzukommen.
  4. Missverständnisse: Konflikte werden als Missverständnisse, als Ergebnis der kulturellen Unterschiede wahrgenommen. Die Schuldzuweisungen an sich selbst für das eigene Unwohlsein hören auf, man lernt, die Situation aus der richtigen Distanz zu betrachten. Man beherrscht nun allmählich die wesentlichen Verhaltensregeln und Umgangsformen, die man nicht mehr als etwas Fremdes betrachtet. Es geht also wieder aufwärts.
  5. Verständigung: Die kulturellen Eigenheiten des fremden Landes sind erlernt worden, können nun akzeptiert und verstanden werden.

Auch die meisten Au Pairs erleiden in den USA einen Kulturschock. Selbst eine intensive Vorbereitung auf die neue Kultur und eine gründliche Information über den Kulturschock können nicht dazu beitragen, diesen zu vermeiden. Vielmehr gilt es, die Phase des Kulturschocks so gut es geht zu meistern und sie mit der Zeit zu überwinden. Dafür ist es natürlich Voraussetzung, die andere Kultur auch erlernen zu wollen. Es ist wichtig, den Menschen und ihrer Kultur mit Offenheit und Respekt zu begegnen und zu versuchen, ihre Traditionen oder Gewohnheiten aus ihren Augen zu betrachten und sie so zu verstehen. Sich an eine neue Kultur zu gewöhnen, braucht seine Zeit, habe Geduld mit dir selbst und versuche jeden Tag aufs neue, dich anzupassen und mit der Kultur zu leben, statt gegen sie anzukämpfen. Denn viele Au Pairs berichten, eines Morgens aufzuwachen und "einfach alles blöd zu finden". Wer bei dieser Einstellung bleibt und die Besonderheiten des fremden Landes schlecht redet, wird es schwer haben, sich anzupassen. Wenn dich der Kulturschock überkommt, dann verkrieche dich nicht, sondern werde aktiv: Schließe neue Bekanntschaften, entdecke die Umgebung, probiere Neues aus (Essen, Kleidung, Sport...), lass dir Sitten und Bräuche erklären, erlerne die Körpersprache usw. Ebenso wichtig ist es jedoch, sich selbst Auszeiten zu gönnen und einmal abzuschalten von den vielen neuen Eindrücken. Auch das Festhalten an Gewohnheiten aus der Heimat hilft häufig über das Unwohlbefinden hinweg. Du könntest zum Beispiel einmal für deine Familie etwas aus deiner Heimat kochen, oder den Kindern Spiele beibringen, die du als Kind selbst gerne gespielt hast. Ebenso hilfreich für die Überwindung eines Kulturschocks kann es sein, die Kontakte zum Heimatland zu pflegen, sich einem Tagebuch anzuvertrauen oder auch mit der Gastfamilie über die Eingewöhnungsschwierigkeiten zu sprechen. Selbst wenn du bei deinen Gasteltern keinen Rat suchen möchtest, solltest du sie zumindest über deine Schwierigkeiten informieren, damit sie dein Verhalten richtig einzuschätzen wissen und auf dich eingehen können.
Generell gilt immer: Wer seinen Schwierigkeiten offen gegenübertritt und wer sich mit der fremden Kultur auseinandersetzt, wird sich auch relativ schnell in die Besonderheiten einfinden und sich an sie gewöhnen.


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