Die Au Pairs jeder Organisation machen eine mehrtägige Schulung, bevor sie weiter zu ihren Gastfamilien reisen. Bei einigen Organisationen sind diese Schulen in NYC, bei anderen in San Fransisco oder Los Angeles. Oft finden diese Schulungen in Hotels statt, für Unterkunft und Verpflegung ist gesorgt. In der Orientation School haben die Au Pairs nicht nur die Gelegenheit, andere Au pairs kennenzulernen - manchmal auch Au Pairs aus dem späteren cluster - und sich mit ihnen auszutauschen, sondern erhalten auch Kenntnisse in Erster Hilfe am Kind und Informationen rund um die Sicherheit der Kinder.
Außerdem lernen die Au Pairs entwicklungsspezifische Lernspiele, Unterhaltungsmöglichkeiten für die Kinder wie Spiel-und Bastelideen und lernen die kulturellen Unterschiede kennen.
Betreut werden die Au Pairs von gut ausgebildeten Lehrern, die alle Fragen rund um das Leben mit den amerikanischen Kindern gerne beantworten.
Außerdem erhalten die Au Pairs die Möglichkeit, die Stadt zu erkunden. Je nachdem, wie weit die Unterkunft vom Stadtkern entfernt ist, können die Au Pairs eigenständig am Abend die Sehenswürdigkeiten sehen, oder aber einmal an einer von der Organisation veranstalteten Stadtrundfahrt teilnehmen.
Nach der Schulung reisen die Au Pairs zu ihren Gastfamilien weiter - abhängig von der Entfernung mit Bus, Bahn oder Flugzeug. Einige sind bereits in ihrer zukünftigen Heimatstadt angekommen und werden von den Gastfamilien mit dem Auto abgeholt.
Wer als Au Pair in die USA möchte, muss, nachdem alle bürokratischen Hindernisse gemeistert sind, noch zwei weitere Hürden überwinden, die Freigepäckgrenze der Fluggesellschaft und die Orientierungswoche der Au Pair-Organisation. Während dieser Woche wird man von der Organisation, die man für die Vermittlung als Au Pair gewählt hat, auf den Kulturschock vorbereitet, hat Zeit sich an die neue Sprache zu gewöhnen und bekommt Tipps und Tricks mit auf den Weg, die einem die Anpassung an die amerikanische Kultur erleichtern sollen.
Ich habe mich für die Organisation „Interexchange“ entschieden und hatte dadurch das Glück meine Orientierungswoche direkt in New York im Stadtteil Manhattan verbringen zu dürfen. Interexchange hatte dutzende Zimmer im Hotel „The New Yorker" reserviert. Zeitgleich waren auch Aupairs anderer Organisationen da, so dass es im Hotel vor lauter jungen Leuten nur so wimmelte. Eine Mitarbeiterin von Interexchange erzählte uns, dass die Anzahl der Aupairs auf einer Orientierungswoche je nach Jahreszeit stark variiert. Im Sommer ist in der Regel die Anzahl ankommender Aupairs größer, da diese dann mit der Schule fertig sind. Aber auch die Nachfrage nach Aupairs ist im Sommer größer, da amerikanische Kinder wortwörtlich den kompletten Sommer frei haben - sprich 3 Monate -, amerikanische Eltern aber nur 2 Wochen Urlaub pro Jahr haben und ihre Kinder in dieser Zeit versorgt haben wollen.
Im Hotel teilten sich etwa 3-4 Au Pairs ein Zimmer, wobei es von der Agentur abhängig war, ob nur Mädchen einer Nationalität in einem Zimmer wohnten, oder ob die Mädchen verschiedenen Nationalitäten angehörten. Ich habe mein Zimmer mit zwei deutschen Mädchen geteilt, wir haben uns gut verstanden und haben immer noch Kontakt, welchen wir durch regelmäßige Treffen aufrecht erhalten.
Wir Au Pairs waren während der Orientierungswoche durch einen straffen Programmplan den ganzen Tag eingenommen. Es fiel uns gar nicht so leicht, uns am Tag nach der Ankunft nach einem kontinentalen Frühstück auf den Weg zum Workshop zu machen, der in einem Konferenzraum des Hotels stattfand, statt auf direktem Weg durch die Lobby nach draußen zu gehen, wo das verlockende New York auf uns wartete. Es war wirklich schwer sich auf Themen wie „Culture Shock“, Erste Hilfe am Kind und Kindesentwicklung zu konzentrieren, während der Pulsschlag der Metropole durch die halb geöffneten Fenster hinein wehte! Aber schon vor Beginn des ersten Workshops wurde uns mit erhobenem Zeigefinger klar gemacht, dass einer Abwesenheit vom Workshop der direkte Heimflug folgen würde. Und so saß ich mit ca. 15 anderen Au Pairs aus Deutschland, Frankreich, Brasilien und Mexiko von neun bis halb fünf ungeduldig im Konferenzraum und konnte es kaum erwarten, bis der Workshop zu Ende war. Nicht, dass es nicht interessant gewesen wäre, aber der Jetlag, die abrupte Sprachumstellung und die Geräusche unten auf der Straße machten uns die Konzentration auf die Schulungsinhalte nicht gerade leicht..
Die Workshops von Interexchange wurden je nach Thema entweder von einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters der Agentur oder einer „externen“ Person geleitet. So wurde uns zum Beispiel die Einheit „Erste Hilfe am Kind“ von einem Mitarbeiter des amerikanischen Roten Kreuzes vermittelt. Ging es jedoch um den allgemeinen Ablauf des Au Pair Jahres, ist immer jemand von Interexchange da gewesen. Natürlich wurden alle Workshops in englisch gehalten und ich musste feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, einem Wiederbelebungsversuch in amerikanischem Englisch zu folgen, wenn man erst 24 Stunden zuvor eingereist ist. - Aber der berühmte Sprung ins kalte Wasser ist ja oftmals die beste Lernmethode.
Am Abend des ersten Tages an der Orientation School konnte man an einer geführten Stadttour durch New York teilnehmen. Während der Tour, die zu Fuß stattfand, kamen wir nicht nur an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten New Yorks vorbei, sondern konnten auch die Spezies „New Yorker“ genauer unter die Lupe nehmen, welche sich durch den „to go“ Kaffeebecher in der einen und dem Handy in der anderen Hand, vom Typ „Hannoveraner“ oder „Kölner“ sehr stark unterscheidet – diese Tour hat den Workshop über amerikanische Kultur, an dem ich 8 Stunden zuvor teilgenommen hatte, anschaulich gemacht.
New York ist ja angeblich die Stadt, die niemals schläft. Wie wahr! Der dichte Verkehr rollt Tag wie Nacht gleich bleibend durch die Häuserfluchten. Und nicht nur die Stadt, auch ich habe in New York nicht, oder nur sehr wenig, geschlafen.
Die Hitze machte es unmöglich mit geschlossenem Fenster zu schlafen und die ständig heulenden Sirenen der Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge machten es unmöglich mit offenem Fenster zu schlafen – und so fand ich mich mit meinen Zimmergenossinnen auch nachts um halb zwei noch schlaflos in den Straßen New Yorks, was unseren Jetlag nicht gerade verbessert hat.
Und nachdem man sich gerade an das Hotel, seine Mitbewohnerinnen, an den Rhythmus zwischen den Workshops am Tag und dem Sightseeing am Abend sowie an New York gewöhnt hatte, hieß es am Freitag Morgen schon wieder Koffer packen und Abschied von den neu gewonnen Freunden nehmen, mit denen man trotz der kurzen Zeit eine sehr intensive Beziehung ausgebaut hatte, denn schließlich saßen wir alle am gleichen Boot. Doch damit war auch die letzte Hürde genommen: Das Jahr als Au Pair in den USA konnte beginnen!