Aupair in den USA

Erfahrungsberichte/ Katharina in Rhode Island

Erfahrungsbericht von Katharina, Aupair in Rhode Island von Juli 2002 bis Juli 2003

Mein Traum – ein Auslandsaufenthalt:

Katharina als Au Pair in New York City Mit 17 oder 18 stand für mich fest, dass ich nach dem Abitur für eine Weile ins Ausland gehen wollte. Zunächst einmal interessierte ich mich für das Ökologische Jahr und für den Europäischen Freiwilligendienst, doch mir war schnell klar, dass die Aussichten in beiden Fällen schlecht waren, einen für mich geeigneten und interessanten Platz zu finden. Als ich drei Monate vor dem Abi noch immer keine positive Nachricht erhalten hatte, begann ich nach Alternativen zu suchen und dachte das erste Mal über einen Au Pair Aufenthalt nach. Bisher hatte ich Au Pair immer mit etwas gemischten Gefühlen betrachtet, denn es ist mit der Gastfamilie wie mit einem Lottospiel – man kann den Hauptgewinn ziehen, aber eben auch eine Niete. Gerade vor wenigen Monaten war meine Cousine nach einem verpatzten Au Pair Aufenthalt bereits nach drei Wochen aus Spanien wiedergekommen. Da ich aber eigentlich einen guten Draht zu Kindern hatte und auch schon genügend Referenzen durch jahrelanges Babysitting und eine Basketballtrainertätigkeit nachweisen konnte, ging ich das Projekt Au Pair an!

Meine Bewerbung und die Suche nach der richtigen Gastfamilie:

Die Vorbereitungen mussten sehr schnell gehen, weil ich bereits im Juli ausreisen wollte. Ich gab die Kurzbewerbung bei EF ab, ging in Berlin zum Interview, füllte meine Bewerbung aus, kümmerte mich um die Referenzen und machte außerdem meinen Führerschein. Mitte Mai 2002 war meine Bewerbung mit der bestandenen Führerscheinprüfung dann vollständig und für mich begann eine aufregende Zeit mit Warten auf den ersten Anruf einer amerikanischen Gastfamilie. Es sollten nur etwa zwei Wochen vergehen, ehe sich die erste Familie bei mir meldete. Sie lebten in einem Vorort von Baltimore und sie hörten sich soweit nett an, doch es haute nicht hin. Der zweite Gastfamilienvorschlag kam bereits zwei Wochen später. Ich war an diesem Tag von meiner Abifahrt zurückgekommen und obwohl vorbereitet, doch ziemlich nervös. Am Telefon war dann aber erst mal das derzeitige Au Pair und ich hatte genügend Zeit, sie über die Familie, die Kids, ihre Aufgaben, den Wohnort etc. auszufragen. Danach sprach ich noch eine Weile mit meiner Hostmum und dem ältesten der vier Kids. Ich hatte eigentlich rundum einen sehr guten Eindruck von der Familie gewonnen und mein Gefühl war auch recht positiv. Nur eine Sache bereitete mir noch etwas Kopfzerbrechen. Wollte ich wirklich einer Familie mit vier Kindern zusagen? Wäre das nicht eine ganze Menge Arbeit und Verantwortung? Da ich aber sonst keinen Grund fand abzusagen und die Familie mich auch gerne als ihr Au Pair haben wollte, sagte auch ich zu. Die vier Kids würde ich schon irgendwie bändigen können :).

I am on my way to America:

In der Nacht vor meinem Abflug überkamen mich dann das erste Mal ernsthafte Zweifel. Ich fragte mich, warum ich das eigentlich machen würde – für ein Jahr in ein fremdes Land in eine fremde Familie. Wozu machte ich es mir selber so schwer? War ich eigentlich blöd? Irgendwann schlief ich dann endlich ein und am nächsten Morgen am Flughafen fiel mir dann der Abschied gar nicht so schwer. Es war nur für mich sehr hart zu sehen, wie bei meiner Mutter die Tränen liefen, aber ich lenkte mich ab, denn sehr schnell hatte ich noch andere EF Au Pairs entdeckt. Bald kamen wir alle ins Gespräch und so verging der Flug nach Amiland sehr schnell.

Das erste Treffen mit meiner Gastfamilie:

Nach den üblichen vier Tagen in der Au Pair Schule und einem ersten aufregenden Besuch in NYC hieß es dann für uns alle Aufbruch zu den Gastfamilien. Mein neues Zuhause würde im kleinsten Bundesstaat der USA, in Rhode Island, (mit dem Auto etwa 50 Minuten südlich von Boston und 3 Stunden nordöstlich von NYC) sein. Ich saß dann schon bald (leider alleine) im Flieger und war sehr aufgeregt, aber auch neugierig auf mein neues Zuhause und die Kids. Mein Hostdad holte mich vom Flughafen ab und zu Hause wurde ich dann sehr nett von Katharina mit ihrer Familie meiner Hostmum, den vier Kids – drei Jungen (4, 6 und 11) sowie ein Mädchen (8) – dem letzten Au Pair und einem Freund von ihr, der Untermieterin, dem Hund Schnitzel und der Katze Midnight empfangen. Ein volles Haus also! Nachdem ich alle begrüßt hatte, zeigte mir der 11-Jährige das Haus und anschließend aßen wir zum ersten Mal gemeinsam Dinner. Ich fühlte mich von Anfang an sehr wohl in meinem neuen Zuhause und einer meiner größten Bedenken, nämlich, dass die Kids mich ablehnen würden, bestätigte sich zum Glück nicht. Für meine Zimmertür hatten sie sogar ein Plakat gemalt, auf dem stand: „Welcome Katha! From Bev, Harlan, Max, Sam, Ilan, Cole, Andy and of course Midnight and Schnitzel” und auf meinem Bett lag ein kleiner Begrüßungskorb.

Meine Rasselbande:

Im Laufe der Zeit bekam ich einen sehr guten Draht zu allen vier Kids. Für den Ältesten war ich mehr große Schwester, weil er schon ziemlich selbständig war. Die 8-Jährige und der 6-Jährige waren von Anfang an recht zugänglich und offen mir gegenüber und akzeptierten mich auch sehr schnell als ihr neues Au Pair. Der einzige, der mir richtig Probleme bereitete, war der 4-Jährige. Der Kleinste hing sehr am letzten Au Pair und es fiel ihm schwer zu akzeptieren, dass ich mich nun an ihrer Stelle um ihn kümmern würde. Fast einen Monat lang konnte er es nicht ertragen, wenn ich in seiner Nähe war, und schlug mich auch, wenn er mich sah. Ein paar Mal spuckte er mich sogar an. Ich durfte ihm weder ein Sandwich machen, noch ihm seine Kleidung für Katharina mit ihren Kids den Tag aussuchen und mehr als einmal habe ich zu hören bekommen: “Go back to Germany!“. Das war am Anfang sehr hart und schwer für mich, denn obwohl ich so gut wie kein Heimweh hatte, war ich doch gefühlsmäßig sehr empfindlich und daher tat mir seine Feindseligkeit sehr weh. Aber mit der Zeit wurde es besser und wir wurden immer wärmer miteinander und nach zwei bis drei Monaten waren wir ein Herz und eine Seele.

Meine Hostparents:

Mit meinen Gasteltern verstand ich mich großartig und Gott sei Dank gab es nie irgendwelche Missverständnisse oder ernsthafte Probleme. Mein Hostdad arbeitete voll, während meine Hostmum vier Tage die Woche halbtags arbeitete. Die beiden waren leider sehr oft im Stress durch Beruf, vier Kinder und dauernd vorhandene Termine. Viel Ruhe gab es bei uns im Haus nie und deswegen blieb für lange Unterhaltungen wenig Zeit. Meine Hostmum war aber immer sehr offen und freundlich und plauderte auch mal gerne mit mir, auch wenn sie nicht viel Zeit hatte. Von beiden wurde ich von Anfang an als Familienmitglied angesehen und ich wurde immer gefragt, ob ich sie bei Aktivitäten, an Feiertagen oder zu Ausfügen begleiten wollte, auch wenn es nicht erwartet wurde. Ich fand es auch sehr schön, dass sie in dem ganzen Trubel immer die Zeit fanden nachzufragen, wie es mir ging, was meine Pläne für den Abend waren oder wie mein Tag war.

Freunde fürs Leben:

Zu Beginn war ich sehr froh, dass das letzte Au Pair noch da war und ich unternahm sehr viel mit ihr, ihrem Freund aus Deutschland und einer ihrer Au Pair Freundinnen. So lernte ich auch sehr schnell die wirklich wichtigen Wege, nämlich den zur Mall, zum Kino, zu Starbucks, zum Johnny Rockets, zu Dunkin Donuts... :). Im Laufe des Jahres fand ich dann Freunde von überall auf der Welt – aus Frankreich, Österreich, Brasilien, Schweden, Panama, Mexiko, Australien, Polen, Tschechien, Südafrika, Peru und natürlich auch aus Deutschland! Leider habe ich nie so richtig Amis kennen gelernt, doch die Kontakte zu meinen ganzen Au Pair Freundinnen waren eine echte Entschädigung. Zu vielen habe ich auch heute noch Kontakt und ein paar habe ich in den letzten Jahren auch besuchen können.

Mein Auto:

Meine Gastfamilie hatte drei Autos und somit hatte ich mein eigenes Auto. Ich habe es wirklich geliebt ;), denn es bedeutete Flexibilität, Unabhängigkeit und Luxus! Es war einfach schön, immer mit dem Auto fahren zu können, denn in den USA öffentliche Verkehrsmittel benutzen zu müssen gleicht einer Katastrophe und ich habe immerhin in einer Stadt in Rhode Island gelebt!

Amerikanische Kindererziehung:

Ich war nicht immer mit der Erziehung meiner Hostparents einverstanden. Sie haben den Kindern oft zu viel durchgehen lassen bzw. sie waren zu inkonsequent und zu gutmütig. Natürlich merkten die Kids das und ließen sich z.B. oft bedienen oder hatten einfach nicht genügend Respekt vor ihren Eltern. Es dauerte z.B. ewig, bis die Kids endlich im Bett waren, weil sie ihre Eltern nicht richtig ernst nahmen, wenn diese sagten, dass es Bettzeit wäre. Dann wurde vor allem der 11-Jährige ziemlich verwöhnt, denn früher oder später bekam er alles, was er wollte. Das äußerte sich in DVDs und technischen Geräten, aber auch in Bezug auf Mahlzeiten. Wenn er den Fisch so nicht mochte, dann wurde er eben noch mal neu für ihn zubereitet. Dadurch, dass meine Hostparents immer versucht haben, es den Kids recht zu machen, haben sie sich oft selber unnötig unter Stress gesetzt.

Die Schattenseiten eines Au Pairs:

Richtige Problem hatte ich in meiner Au Pair Zeit nie, aber natürlich gab es auch Dinge, die mich gestört haben oder die nicht perfekt waren. So waren mir meine Arbeitszeiten oft zu vage. Oftmals wusste ich am Morgen nicht, wie lange ich an dem Tag arbeiten musste. Es hieß meistens nur, dass ich dann „off“ wäre, wenn meine Hostparents nach Hause kommen würden und die versprochene Uhrzeit wurde von ihnen nicht immer eingehalten. Das hat mich ab und zu verärgert, denn wenn ich für den Abend z.B. für einen bestimmten Kinofilm schon verabredet war und dann oft meinen Freundinnen absagen musste bzw. sagen musste, dass es bei mir mal wieder später wird, dann ist es einfach nicht so super. Auf der anderen Seite konnten meine Hostparents ja nichts für ihre Jobs und dass sie da auch mal aufgehalten wurden, doch für mich war es oft blöd. Aber genauso, wie von mir Flexibilität erwartet wurde, waren auch meine Hostparents immer flexibel. So fragte mich meine Hostmum am Anfang der Woche meist, ob ich für bestimmte Tage schon Pläne hätte, und sie waren auch immer bereit dazu, an den Abenden auszugehen, an denen die Hostparents meiner Freundin auch ausgingen und wir uns eh nicht hätten treffen können. Auch meinen Urlaub konnte ich dann nehmen, wann ich wollte, und meine Hostparents richteten ihre Pläne nach meinen.

USA – ein tolles Land zum Reisen:

Ich habe mir schon ganz am Anfang meines Jahres vorgenommen viel zu reisen, um Land und Leute kennen zu lernen. Während meines Jahres war ich bestimmt einmal im Monat in Boston, dann zweimal in NYC, ein paar Mal auf Cape Cod, bei den Niagara Fällen und bei den Thousand Islands, für vier Tage in Washington D.C., auf Long Island und am Wochenende habe ich regelmäßig mit Freundinnen Rhode Island erkundigt. Ich kann allen Au Pairs nur empfehlen, ihre Zeit und ihr Geld wirklich auch zum Reisen zu nutzen. Die USA haben so unendlich viel zu bieten und ein verlängertes Wochenende eignet sich hervorragend für einen Kurztrip.

Mein 13. Monat:

Katharina bei ihrem Suntrek-Trip Mein 13. Monat stellt mit die schönste Erinnerung an meine USA Zeit dar! Ich habe an einem dreiwöchigen Trip von Suntrek teilgenommen und habe in dieser Zeit den schönsten Urlaub meines Lebens verbracht. Es ging von San Francisco über Monterey, Santa Barbara, Los Angeles, San Diego, Grand Canyon NP, Monument Valley, Arches NP, Antelope Canyon, Lake Powell/ Glen Canyon, Bryce Canyon NP, Zion NP, Las Vegas, Death Valley, Mono Lake, Yosemite NP und Sacramento zurück nach San Francisco. Eine Wahnsinnszeit mit einer echt tollen Truppe und außerdem ein krönender Abschluss eines großartigen Jahres!

Abschied zum zweiten Mal:

Katharina in Las Vegas Nach meinem Trek kam ich noch mal für drei Tage zurück nach Rhode Island, um mich von meiner Hostfamily und meinen neu gewonnenen Freunden zu verabschieden und um meine Koffer zu packen. Als ich nach den 3,5 Wochen plötzlich wieder vor der Tür stand, kriegten sich vor allem die beiden Kleinsten vor Freude kaum mehr ein und mich rührte das total. In dem Moment wurde mir erst so richtig bewusst, wie sehr die Kids an mir hingen und wie schwer der endgültige Abschied für sie, aber auch für mich werden würde. Ein paar Tage später war es dann auch so weit und ich musste mich von allen verabschieden. Für mich war das wirklich nicht leicht und es kullerten ein paar Tränen. Einerseits freute ich mich wirklich sehr, nach Deutschland zurückzukommen, und auf der anderen Seite fiel es mir so unendlich schwer, mein Leben in den USA aufzugeben. Einen Tag nach meiner Ankunft zurück in Berlin rief ich bei meiner Hostfamily an und als ich mit dem Kleinsten sprach, meinte dieser mit ganz trauriger Stimme: “Katha, I want you to come back!“ und das brach mir dann echt das Herz. Ich vermisse sie alle auch heute noch! Bisher habe ich es noch nicht geschafft, sie besuchen zu fahren, aber ich habe fest vor, das in den nächsten Jahren nachzuholen... vielleicht ja schon diesen Sommer!

Fazit:

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass so ein Au Pair Jahr wie ein Spiel im Lotto ist. Der eine hat Glück mit seiner Hostfamily, der nächste nicht. Allerdings hängt der Erfolg des Jahres auch sehr von der eigenen Einstellung, dem Engagement, den Erwartungen und der eigenen Kompromissbereitschaft ab. So ein Au Pair Jahr ist nicht immer ein reines Zuckerschlecken, denn Kinder sind nicht immer leicht zu handhaben und können auch oft sehr anstrengend und kompliziert sein und da braucht man eine gehörige Portion Geduld! Ich habe mit meinen vier Kids sehr schöne Zeiten verlebt, aber auch genug Stress gehabt. Eine Zeitlang hat sich die 8-Jährige zum Beispiel geweigert in die Schule zu gehen und meine Hostmum und ich mussten sie wochenlang mit Gewalt ins Auto zerren. Einmal ist sie dann sogar auf Socken (!) von der Schule nach Hause gerannt und ich bin hinterher. Das war bestimmt keine Freude für mich...

Für jeden, der Freude am Umgang mit Kindern hat, kann das Jahr aber zum schönsten Jahr seines Lebens werden, denn wann kriegt man noch mal eine so tolle Chance, auf so kostengünstige Weise Land und Leute kennen zu lernen? Die Integration in eine amerikanische Familie macht das Einleben auch sehr viel leichter, als wenn man beispielsweise auf sich alleine gestellt wäre.

Was hat mir das Jahr also gebracht? Fließende Englischkenntnisse, Festigung der Persönlichkeit, Offenheit, Unabhängigkeit und stärkeres Selbstbewusstsein, Kennenlernen der eigenen Stärken und Schwächen, bessere Menschenkenntnis, neue Freunde aus der ganzen Welt, ein zweites Zuhause (denn meine Hostfamily wird immer ein wichtiger Bestandteil meines Lebens sein und bleiben) mehr Kindererfahrung, Einblick in die amerikanische Kultur, Kennenlernen der jüdischen Religion (meine Hostfamily war jüdisch: so habe ich in dem Jahr auch einiges über die jüdischen Feiertage, die Traditionen und die Religion allgemein gelernt), unzählige Reisen/ Kennenlernen des Landes, Fahrpraxis,  ich lernte Alltägliches/ Selbstverständliches (Familie, Heimatstadt, Freunde etc.) zu schätzen...

Ich wünsche allen Au Pairs ein tolles Jahr! Lasst es euch durch nichts und niemanden vermiesen und genießt eure Zeit in vollen Zügen!


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