Die Idee, als Au Pair in die USA zu gehen, hatte ich bereits mit 16 Jahren. Da man aber mindestens 18 Jahre sein und den Führerschein haben muss, habe ich zuerst, nach der Realschule, meine Ausbildung zur Erzieherin gemacht.
Doch im August 2006 sollte es dann endlich losgehen!
Da ich schon in solcher Vorfreude schwebte, habe ich mich bereits im September 2005 bei der Organisation AIFS beworben und bin dann auch, nach meinem Interview (das ohne jegliche Probleme verlaufen ist), sehr schnell angenommen worden. Mir wurde aber sofort erklärt, dass es wohl dauern würde, bis sich die ersten Familien melden würden, da ich ja erst im darauf folgenden Sommer ausreisen wollte, dass aber wohl meine Vermittlungschancen sehr groß wären, da ich mich als Au Pair Professional (möglich aufgrund meiner vorangegangenen Ausbildung) beworben hatte.
Im Februar 2006 war es dann endlich so weit:
Als ich abends meine Emails gecheckt habe, hatte ich eine Email von einer Familie aus den USA bekommen, die an mir interessiert waren und mich nach einem passenden Zeitpunkt fragten, an dem sie mich mal anrufen könnten. Voller Aufregung habe ich geantwortet, dass mich die Gastfamilie abends immer erreichen kann.
10 Minuten später klingelte das Telefon und ich hatte das erste Telefonat mit meiner potentiellen Gastfamilie. Die Mutter Keely erzählte mir einiges über ihre Kinder (drei Jungs im Alter von 6 Jahren, 4 Jahren und 1 Monat zu diesem Zeitpunkt), was die Familie für Hobbies hatte, über die Arbeit der Eltern usw.
Nach knapp zwei Stunden legten wir auf und ich war sehr begeistert von der Familie. Weitere 10 Minuten später hatte ich eine weitere Email von Keely erhalten, in der stand, dass sie ebenfalls sehr begeistert von mir seien und dass sie mich offiziell einladen möchten, ihr Au Pair zu werden.
Nach kurzem Überlegen, ob ich wirklich riskieren wollte, noch nicht einmal eine weitere Familie anzuschauen, überzeugte mich doch der positive erste Eindruck und ich sagte Keely zu.
In den nächsten Monaten telefonierten wir gelegentlich und Keely schickte mir immer wieder Emails mit den neuesten Fotos von den Jungs.
Am 07. August 2006 ging es dann endlich los! Die ersten vier Tage hieß es dann erst einmal Orientation in Stamford, Connecticut. Ziemlich langweilig, aber muss ja sein!
Am Donnerstag, den 10. August, ging es dann mit dem Zug weiter nach Trenton, New Jersey, wo mich meine Gasteltern mit den Jungs abholten.
Connor war zu dem Zeitpunkt gerade 7 geworden, Cole war fast 5 und Liam war 6 Monate alt.
Liam war ein sehr unkompliziertes Baby und machte mir keinerlei Probleme, er fremdelte nicht oder ähnliches. Die beiden Großen waren am Anfang schon etwas schüchtern, aber nach zwei Wochen waren auch sie sehr offen und lieb zu mir.
Meine Gastfamilie wohnt normalerweise in Medford, New Jersey. Das ist eine Kleinstadt ca. 20 Minuten von Philadelphia und ca. 1 ½ Stunden von New York City entfernt.
Doch über den gesamten Sommer hinweg wohnen sie in einem Ferienhaus in Brigantine, New Jersey. Das ist eine kleine Insel bei Atlantic City.
So habe auch ich meinen ersten Monat mit meiner Gastfamilie dort verbracht. Ich war also erst einmal fernab von meiner späteren Heimat und kannte dadurch auch noch keine anderen Au Pairs. Das änderte sich dann aber, als wir zu Beginn vom neuen Schuljahr zurück nach Medford gefahren sind.
Über die monatlichen Clustermeetings (die nicht sonderlich spannend sind, da meine Betreuerin nicht gerade engagiert ist) habe ich die restlichen Au Pairs aus der Umgebung getroffen und wir haben schnell zusätzlich unsere eigenen Clustermeetings organisiert: Seitdem treffen wir uns alle einmal die Woche bei einem Starbucks in der Nähe und verbringen dann dort den Abend zusammen.
Da meine Gasteltern mir mein eigenes Auto zur Verfügung stellen, bin ich hier zum Glück sehr unabhängig So kann ich an den Wochenenden oft mit meinen Freunden unterwegs sein, in die Mall gehen oder meine Zeit in meinem heiß geliebten New York verbringen!
Mein Arbeitstag ist auch sehr, sehr relaxt! Ich fange um 8 Uhr an und mache Frühstück für alle drei Jungs und mich und das Schullunch für die beiden Großen.Dann frühstücke ich mit allen dreien.
Um zwanzig vor neun gehen die beiden Großen aus dem Haus und werden vom Schulbus abgeholt. Dann habe ich den ganzen Tag über nur Liam. Er ist aber überaus sozial zu mir und schläft noch sehr viel! Er ist jetzt (Stand Mai 2007) 16 Monate alt und schläft noch zweimal am Tag für jeweils ca. 2-3 Stunden. In der Zeit bin ich dann immer im Internet (ich habe meinen eigenen Laptop mit in die USA gebracht). Auch während dieser Zeit bin ich absolut flexibel mit Liam. Ab und zu fahre ich mit ihm in den Park, oder ins Kindermuseum, oder zum Babyturnen, oder einfach in die Mall, wo ich mich mit anderen Au Pairs und deren Kids treffe.
Um drei Uhr nachmittags hole ich dann zusammen mit Liam den 5-jährigen Cole vom Kindergarten ab und bereite dann für ihn einen kleinen Snack zu. Eine halbe Stunde später kommt dann auch Connor von der Schule heim und bekommt ebenfalls einen Snack.
Connor und Cole sind sehr selbstständige Kinder. Wir wohnen in einer Nachbarschaft, die etwas außerhalb von Medford liegt und daher sehr sicher ist. Das bedeutet, dass die beiden Großen mir nach ihrem Snack sagen, zu welchem ihrer Freunde sie an diesem Nachmittag gehen wollen und dann sind sie bis abends weg. Ich muss sie nicht hinbringen und auch nicht abholen, sie kommen von alleine heim. Und um fünf Uhr Abends bin ich dann immer "off", das heißt, ich habe Feierabend.
Ich hatte hier absolutes Glück mit meiner Gastfamilie. Meine Gasteltern stehen voll und ganz hinter mir und haben den Kids von Anfang an klar gemacht, dass, wenn ich gerade arbeite, meine Regeln gelten und dass die Kids dann auch nicht bei den Eltern jammern müssen, weil sie auf meiner Seite stehen! Von daher gab es in dieser Hinsicht nie Probleme. Ebenfalls war ich sehr erleichtert, dass meine Gastfamilie sich wirklich sehr gesund ernährt und mich voll und ganz als Familienmitglied ansieht und nicht als Angestellte. Wenn sie unter der Woche abends zum Essen gehen oder etwas am Wochenende unternehmen, werde ich immer eingeladen! Aber wenn ich mal nicht mit möchte, respektieren sie auch meine Privatsphäre.
Zu meinen Kindern habe ich ein absolut super Verhältnis, auch wenn wir natürlich ab und zu trotzdem aneinander geraten, da sie schon des Öfteren (wie fast alle amerikanischen Kinder) von ihren Eltern sehr verwöhnt werden.
Wie es die Organisation vorschreibt, habe ich hier auch das College besucht. Das Burlington County College, um genauer zu sein. Im ersten Semester habe ich Psychologie und im zweiten Semester Educational Psychologe (mehr oder weniger Lehramt) studiert. Das war schon interessant, aber teilweise auch wirklich nur Zeit totschlagen! Die Tests an amerikanischen Colleges sind aber sehr einfach: Ich habe für keinen meiner College-Tests gelernt und habe in beiden Kursen ein glattes A (also 1) bekommen!
In den neun Monaten, die ich jetzt schon hier bin, habe ich schon einiges gesehen: Ich war mit meiner Gastfamilie für eine Woche auf den Florida Keys und mit einem anderen Au Pair für ein paar Tage in Disney World. Und in einem Monat werde ich mit meiner Gastmutter und den drei Jungs (mein Gastvater muss arbeiten) noch mal für eine Woche nach Disney World fliegen!
In drei Monaten ist dann mein Jahr vorbei und ich werde für einige Zeit (voraussichtlich 3 Monate) zurück nach Deutschland gehen. Da ich dann aber noch etwas Zeit (einige Monate) habe, bis ich meinen neuen Arbeitsplatz antrete, werde ich versuchen, ein verlängertes Besuchervisum zu bekommen und für ein paar Monate als Gast oder besser gesagt eben als Familienmitglied (nicht als Au Pair) zu meiner Gastfamilie zurückzukehren!