Mein Name ist Friderike Struck, obwohl mich jeder hier in Amerika Frida nennt. Ich bin neunzehn Jahre alt und komme aus Deutschland. Seit August 2007 wohne ich bei meiner tollen Gastfamilie in Somerville, New Jersey, in den Vereinigten Staaten von Amerika!
Ich würde mich selbst als eine herzliche, weltoffene, kreative und fürsorgliche Person beschreiben. Ich bin gerne draußen in der Natur, gehe schwimmen, fahre Rad oder gehe einfach spazieren. Die Musik ist meine Leidenschaft, ich spiele Klavier und singe in einem Chor. Seit ich hier in Amerika bin, habe ich meine Leidenschaft zum „Scrap booking“, dem Gestalten von Fotoalben, entdeckt.
Mit fünfzehn Jahren habe ich mich dazu entschlossen für ein Jahr als Au Pair nach Amerika zu gehen. Meine Mutter war in meinem Alter für ein halbes Jahr als Au Pair in Frankreich und schon von Klein auf, fand ich diese Erfahrung faszinierend. Als ich dann ein Magazin meiner Organisation Cultural Care Au Pair in meiner Schule fand, war es klar für mich: Ich werde nach der Schule ein Au Pair Jahr in Amerika machen. Leider musste ich aber noch vier weitere Jahre warten, um diesen Traum verwirklichen zu können! Ich liebe Kinder und habe sehr viel Spaß daran auf sie aufzupassen! Ich habe babygesittet seit ich zwölf war, und somit war mir klar, dass dies genau das Richtige für mich ist und die beste Möglichkeit meine Liebe zum Reisen und zu Kindern zusammenzubringen!
Nach Jahren des Planens und Träumens und nach einem Informationstreffen schwor ich mir mit einer Freundin, mit der ich zusammen teilgenommen hatte, dass wir nach Amerika gehen, was auch immer kommen mag! Als die Zeit dann näher kam, fingen wir mit unserer Bewerbung an, wofür wir mindestens sechs Monate brauchten! Da wir aber so früh angefangen hatten, war dies nicht weiter schlimm und es machte einfach zu viel Spaß! Und die ganze Arbeit hat sich am Ende auch ausgezahlt, unsere Bewerbungen waren super, was uns die Agentur auch versicherte! Kurz vor Weihnachten 2006 schickten wir unsere Unterlagen ab und warteten von da an auf eine Nachricht von Cultural Care! Endlich dann Ende Januar bekam ich die Antwort: Ich war ins Programm aufgenommen und die Organisation fing an nach potenziellen Gastfamilien zu suchen! Nach zwei Familien in meinem persönlichen Internet Account, die weder anriefen noch per E-Mail schrieben, und langen Tagen des Wartens, habe ich dann endlich meine jetzige Gastfamilie kennen gelernt. Ich war sehr aufgeregt, als sie in meinem Account waren, und als ich dann schon eine Stunde später die erste Mail von meiner Gastmutter bekam, in der sie ihre Familie vorstellte, war ich begeistert! Nach zahlreichen weiteren E-Mails und einem Telefonat, matchten wir dann am Anfang April. Die Basis für mein Jahr war also gesetzt!
Meine Gastfamilie besteht aus meiner Gastmutter Kellianne, die als Anwältin arbeitet, meinem Gastvater Danny, der Zimmermann ist und sich auf Kühlkammern von Pharmakonzernen spezialisiert hat, und meinen drei Gastkindern: Jack ist fünf Jahre alt ist, Mary Bridget (Bridey) drei und mein kleiner Sonnenschein Liam ist gerade sechs Monate alt geworden! Ich liebe meine Gastfamilie über alles und finde, dass sie das perfekte Match für mich ist! Ich arbeite täglich neun Stunden von Montag bis Freitag und kümmere mich um die drei Kinder und den Haushalt. Jack geht immer noch in den Kindergarten, weil er im letzten Jahr Probleme mit seiner Motorik hatte und ist jeden Tag von 12 Uhr bis 14.30 Uhr in der Schule. Bridey und Liam sind den ganzen Tag bei mir zu Hause. Ich habe mit Sicherheit nicht den einfachsten Au Pair Job, wie meine Gastmutter immer wieder betont, aber es gefällt mir trotzdem richtig gut!
Jack ist ein sehr wildes Kind, aber auf der anderen Seite ist er sehr intelligent und witzig! Er liebt es Zeit mit mir alleine zu verbringen und meine ganze Aufmerksamkeit zu bekommen, wenn Liam und Bridey schlafen. Er liebt es über Gott und die Welt zu plaudern und hat sehr viel Spaß daran, diese Welt zu erkunden! Bridey ist ein süßes und lustiges kleines Mädchen, obwohl sie es auch faustdick hinter den Ohren hat! Sie liebt es zu tanzen, singen und kann stundenlang malen! Es macht sehr viel Spaß mit ihr zu spielen, oder sie einfach nur zu beobachten! Sie hat einen sehr lebhaften und eigenen Charakter! Liam ist das süßeste Baby der Welt! Er ist ein sehr fröhlicher kleiner Junge und er ist sehr aufgeregt und begeistert von der Welt um ihn herum! Er liebt es seinen großen Bruder und seine große Schwester beim Spielen zu beobachten und sie lieben es ebenfalls ihn zu unterhalten! Er ist ein guter Esser(Trinker) und ein schlechter Schläfer. Er ist gerne draußen und liebt es, wenn man für ihn singt! Es ist sehr interessant ihn aufwachsen zu sehen und da ich seit seiner Geburt hier bin, habe ich auch wirklich jeden Schritt in seiner Entwicklung miterleben dürfen! Wir gehen gerne raus auf den Spielplatz oder in den Garten, basteln viel, gehen in die Bücherei, spielen im Spielzimmer, im Keller oder spielen ausgedachte Spiele! Die drei sind sehr lustige und niedliche Kinder, obwohl sie einem manchmal auch den letzten Nerv rauben können, sodass ich so manchen Tag froh bin, mich in meinem Zimmer zu “ verstecken”!
Meine Gastfamilie fragt mich jedes Mal, ob ich an ihren Familienaktivitäten teilnehmen möchte. Wir waren zum Beispiel gemeinsam beim Christmas Spectacular in New York City, beim Tannenbaum schlagen im Wald, waren im Zirkus und gehen häufig zusammen essen! Sie sind sehr nette Leute mit denen man gerne zusammen ist!
Die Gegend in der ich hier lebe ist sehr schön und abwechslungsreich. New Jersey ist meiner Meinung nach ein klasse Staat, der durch seine Vielfalt besticht! Auf der einen Seite ist es nicht weit zu den großen Städten, wie New York und Philadelphia, auf der anderen Seite trägt NJ nicht umsonst den Namen “Garden State“. Es gibt tolle Naturschauplätze, wie die Küste, den Jersey Shore, und den Delaware River, der die Grenze zu Pennsylvania bildet. Sogar Ski fahren kann man in den Bergen von New Jersey!
Ich wohne hier in einer Stadt namens Somerville. Es ist eine nette Kleinstadt mit Charme! Es ist immer schön durch die Innenstadt zu laufen, besonders im Sommer, wenn am Freitag Abend die Oldtimer ausgestellt werden und Musik gespielt wird! Es gibt hier viele Stadtfestivals, wie das Herbstfestival oder Paraden, wie die St. Patricks Day Parade. Es ist eine tolle Gemeinde zum wohnen! Bridey´s Lieblingsplatz ist die Bücherei, die ihrer Meinung nach aussieht wie ein “kleines Schlösschen”! Was ich besonders an dieser Stadt mag, ist, dass man ganz amerika-untypisch auch zu den meisten Plätzen laufen kann! Es ist toll die Kinder einfach in den Kinderwagen zu setzen, in den Park, zur Bücherei, zur Post oder zur Bank zu gehen! Unser Haus liegt dicht zur Innenstadt, so dass es sehr schön ist einfach etwas herumzuschlendern. Sogar das Einkaufszentrum ist zu Fuß erreichbar, obwohl ich in der Hinsicht schon amerikanisiert bin und meistens dorthin fahre.
Hier in Amerika habe ich schon sehr viel erlebt und bin dem “American Way of Life” etwas näher gekommen! Ich habe schon so einige Städte bereist und hoffe, dass es in der zweiten Hälfte meiner Zeit noch mehr werden. Nach New York City zu fahren ist immer wieder ein tolles Erlebnis und ich liebe es, dass dies am Wochenende so ganz einfach möglich ist! New York ist eine faszinierende Stadt, es gibt so viel zu sehen, und ich habe noch nicht einmal die Hälfte davon geschafft! “Die Stadt, die niemals schläft” hat eine Anziehungskraft, der wohl kaum einer entgehen kann, der der Stadt einmal nahe gekommen ist. Philadelphia, was auch nur eine Stunde entfernt ist, ist auch sehr schön und besonders die vielen historischen Schauplätze sind sehr interessant! Mir wurde bewusst, wie wenig ich eigentlich über die amerikanische Geschichte weiß, und Philly ist der ideale Platz, um anzufangen sich einen historischen Überblick zu verschaffen. Boston ist eine sehr europäische Stadt, die stark durch die Einflüsse der britischen Einwanderer geprägt ist! Verbracht habe ich dort Silvester und habe das Feuerwerk über dem Hafen angeschaut und mich in die Stadt verliebt! Ich hoffe, dass ich es noch schaffe, den “Freedom Trail” noch einmal abzulaufen, was allerdings gerade jetzt, wo der Sommer anfängt, nicht so leicht werden wird! Das Osterwochenende habe ich in Washington und Baltimore verbracht, um die dortigen Sehenswürdigkeiten zu erkunden! Washington ist super toll, und es gibt so viel zu sehen. In einem Spaziergang vom Capitol Hill zum Lincoln Memorial kann man die meisten Sehenswürdigkeiten bestaunen, obwohl man eigentlich länger als nur einen Tag bräuchte. Toll an der Stadt ist, dass der Zutritt zu allen Museen frei ist, sodass auch wir mit dem knappen Au Pair Gehalt etwas Bildung erlangen konnten! Auf dem Lincoln Memorial zu stehen und auf die National Mall zu schauen ist großartig, und sich vorzustellen, dass genau dort auch Martin Luther King Jr. stand und seine berühmte Rede “I have a dream” hielt, ist atemberaubend! Auch Baltimore ist eine tolle Stadt, die abgesehen von den Hochhäusern Nordseecharakter hat.
Es ist großartig, die Möglichkeit zu haben, so viele Dinge in nur einem Jahr sehen und erleben zu können! Nicht nur Orte, sondern Menschen aus Amerika und Au Pairs aus der ganzen Welt! Natürlich nicht zu vergessen, wie sehr man auch sich selbst kennenlernt, auf eine Weise, wie ich es mir vorher nicht hätte träumen lassen!
Eine weitere tolle Erfahrung, die ich hier in Amerika gemacht habe, ist der Chor dem ich beigetreten bin. Es ist eine Gruppe aus Deutschen, die in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg und später ausgewandert sind. Diese Menschen sind die freundlichsten und fürsorglichsten Menschen, die ich je kennengelernt habe! Wir singen deutsche Volkslieder und amerikanische Lieder. Wir hatten schon ein Weihnachtskonzert und werden bald ein Frühlingskonzert geben! Ich freue mich jeden Montag wieder darauf, dort hinzufahren! Diese zwei Stunden jede Woche ist die Zeit, die ich für mich alleine habe, ganz weit weg vom Au Pair Dasein und den Kindern! Nach jeder Probe gibt es dann auch noch selbstgebackenen deutschen Kuchen, der nicht mit drei Zentnern Zucker versehen ist und es wird ein kleiner Kaffeeklatsch gehalten! Wenn ich jetzt daran denke, den Chor im Sommer wieder verlassen zu müssen, vermisse ich ihn jetzt schon!
All diese tollen Erfahrungen, die ich hier in den Vereinigten Staaten gemacht habe, haben mich dazu gebracht, mein Jahr um weitere neun Monate zu verlängern. Die Bewerbung habe ich schon abgeschickt und es hat sich auch schon eine neue Familie gemeldet. Ich liebe meine jetzige Gastfamilie und ich genieße es sehr, bei ihnen zu wohnen und zu arbeiten, doch in meinem zweiten Jahr ist es mir sehr wichtig auch einen anderen Teil des Landes kennenzulernen und neue Erfahrungen in einer anderen Gastfamilie zu machen! Das ist der Grund warum ich mich entschlossen habe nach Kalifornien zu gehen. Ich bin schon sehr gespannt, die Westküste erkunden zu können! Mein Traum ist es, den Grand Canyon, die faszinierenden Nationalparks, wie Yosemite National Park und das Hollywood Schild mit eigenen Augen zu sehen.
Alle diese Träume scheinen nun wahr zu werden und ich bin sehr froh darüber und stolz darauf! Ich vermisse meine Familie und Freunde sehr und zu wissen, dass alle meine neuen Au Pair Freunde am Ende des Sommer heimfahren werden ist nicht einfach, doch auf der anderen Seite, zu wissen, dass man noch so viel mehr sieht und Erfahrungen sammelt, zeigt mir immer wieder, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe! Es ist eine einmalige Chance im Leben, die ich vermutlich nie wieder haben werde.
Jedes Mal wenn ich daran denke meine neu gewonnene Familie hier zu verlassen um in eine weitere unbekannte Familie zu gehen, wird mir doch auch manchmal bange! Aber meine Eltern kommen mich im Mai 2008 besuchen, und sie haben schon versichert, mich auch an der Westküste noch einmal zu besuchen! Ich bin schon sehr aufgeregt ihnen mein Leben hier zu zeigen!
Seit ich mich entschieden hatte als Au Pair nach Amerika zu gehen, war mir auch klar, dass ich danach Lehrerin werden will. Inzwischen jedoch, bin ich mir nicht mehr ganz sicher. Seit ich hier bin habe ich das Gefühl, dass mir die Welt offen steht und es so viel gibt, was ich machen könnte! Am liebsten natürlich würde ich meine Liebe zum Reisen und Kindern verbinden, was jedoch nicht ganz so einfach ist!
Als Au Pair nach Amerika zu gehen, war mit Sicherheit die beste Entscheidung und das größte Erlebnis meines Lebens! Ich habe schon sehr viel gelernt und fühle mich viel erwachsener und verantwortungsbewusster als je zuvor! Ich habe eine ganze Menge toller Menschen kennengelernt und es wird schwer, mich wieder von ihnen zu verabschieden! Ich habe mich einfach in dieses Land verliebt und genieße jede Minute, die ich hier verbringe, mit all ihren aufregenden, herausfordernden und einfach tollen Momenten!